Über die Datei hinaus: Wie datengestützte Workflows die Abwicklung von Ingenieurprojekten verändern
Die Branche hat die dateibasierte Übergabe bereits perfektioniert.Der nächste Schritt besteht darin, sicherzustellen, dass Daten nahtlos fließen, verifiziert werden und für Betreiber auch lange nach Abschluss der Bauphase weiterhin nutzbar bleiben.
Wichtigste Erkenntnisse
- Das moderne Ingenieurwesen vollzieht den Wandel von dateibasierten Arbeitsabläufen hin zu einer datengetriebenen Projektabwicklung.
- Mit iModels verbessern Sie die Zusammenarbeit, die Kollisionserkennung und die Koordination im Ingenieurwesen.
- Ingenieurteams können ihre Arbeitsabläufe modernisieren, ohne DWG-, DGN- oder RVT-Lieferergebnisse aufgeben zu müssen.
Referenzsoftware
Seit Jahrzehnten beherrscht die Ingenieur- und Bauindustrie die digitale Bereitstellung mit strukturierten, dateibasierten Workflows. Der Austausch digitaler Dateien – DWGs, DGNs und RVTs – bildet die Grundlage der Projektkommunikation und vertraglicher Übergaben. Diese Prozesse haben sich für uns bewährt und bieten einen verlässlichen Rahmen für die Umsetzung komplexer Projekte weltweit.
Da unsere Projekte immer komplexer und unsere 3D-Modelle immer detailreicher werden, stehen wir an einem entscheidenden Wendepunkt der Weiterentwicklung. Auch wenn die Datei für viele Arbeitsergebnisse weiterhin ein unverzichtbarer Container ist, kann die ausschließliche Abhängigkeit vom Dateiaustausch in einem hochdynamischen, multidisziplinären Umfeld unbeabsichtigt Datensilos schaffen und es erschweren, eine einzige verlässliche Informationsquelle aufrechtzuerhalten. Nun ist es an der Zeit, auf diesem Fundament aufzubauen und das enorme Potenzial in unseren Daten zu erschließen.
Diese Weiterentwicklung führt zu einem Prozess, bei dem wir einen dynamischen Informationsfluss über den gesamten ISO-19650-Lebenszyklus hinweg orchestrieren. Anstatt lediglich statische Dateien zu verwalten, beginnen wir mit der Arbeit auf Basis lebendiger Daten und entwickeln uns hin zu einem wirklich datengetriebenen Prozess, der in der Übergabe eines vollständigen, intelligenten digitalen Assets im Ist-Zustand an den Eigentümer mündet.
Der Aufstieg der Daten: eine Everest-Analogie
Um diesen Wandel zu verstehen, stellen Sie sich den Projektabwicklungsprozess als eine Expedition zum Gipfel des Mount Everest vor. Das oberste Ziel — der Gipfel — ist das abschließende, verifizierte Modell des Ist-Zustands, das dem Eigentümer übergeben wird.
In dieser Analogie sind unsere iModels die entlang der Route eingerichteten Lager . Sie sind nicht bloß Ordner, sondern hochentwickelte Bereiche zur Datenbereitstellung, die jeweils einen bestimmten Grad an Datenreife und Eignung repräsentieren. Die Daten selbst sind das Team der Bergsteiger. Wenn sich die Bergsteiger akklimatisiert haben und für die nächste Herausforderung bereit sind, steigen sie zum nächsten Lager auf. Dasselbe gilt für unsere Daten. Sie gelangen erst dann auf die nächste Stufe, wenn sie geprüft wurden und für ihren nächsten Zweck geeignet sind.
Die Datenreise: vom Basislager zum Gipfel
Erstellen datengestützter Projektergebnisse
Dieser strukturierte Aufbau stellt sicher, dass Informationen stets am richtigen Ort, für den richtigen Zweck und im passenden Reifegrad vorliegen. Verfolgen wir die Daten auf ihrem Weg vom Desktop einer Planerin bzw. eines Planers bis zur endgültigen Übergabe an den Eigentümer.
Phase 1: Das Basislager des Aufgabenteams (laufende Arbeiten)
Die Reise beginnt bei den einzelnen Planerinnen, Planern, Ingenieurinnen und Ingenieuren, die in ihren nativen CAD-Umgebungen arbeiten – sei es Revit, MicroStation oder AutoCAD. Diese Entwurfsdateien (RVTs, DGNs, DWGs) sind ihre digitalen Werkbänke.
Entscheidend ist, dass diese Entwurfsdateien mit dem ersten Staging-Bereich „verbunden“ sind: dem Task Team iModel. Wenn ein Konstrukteur oder ein Team eine bestimmte Aufgabe abschließt,senden sie nicht einfach eine Datei per E-Mail. Stattdessen veröffentlichen sie ihre CAD-Inhalte in ihrem dafür vorgesehenen iModel. Es gibt ein iModel pro Aufgabenteam (z. B. das Tragwerksteam, das mechanische Team), das die zusammengestellten Daten aus einer oder mehreren Quell-Entwurfsdateien enthalten kann.
Dieses Task-Team-iModel wird zur zentralen Plattform für Work-in-Progress-(WIP)-Reviews. Das Team kann seine zusammengeführten Arbeiten in einem gemeinsamen Kontext visualisieren, Konflikte erkennen und die Entwürfe optimieren, bevor sie mit dem Gesamtprojekt geteilt werden.
Phase 2: Das Lager des Ausführungsteams (Konsolidierung der Auftragnehmer)
Sobald die internen WIP-Prüfungen abgeschlossen sind und das Task Team von seiner Arbeit überzeugt ist, sind die Daten bereit für den nächsten Schritt ihres Aufstiegs. Die Daten aus diesen einzelnen Task Team-iModels werden weitergeführt und zusammengeführt – oder komponiert – zu einem Delivery Team-iModel.
Da Task-Teams häufig nach Auftragnehmern organisiert sind, fasst dieser Schritt den gesamten Leistungsumfang eines Auftragnehmers in einem einzigen, konsistenten Modell zusammen. Dies ermöglicht eine übergeordnete Prüfungsebene und stellt sicher, dass alle Systeme eines Auftragnehmers abgestimmt sind, bevor sie mit den Arbeiten anderer Delivery-Teams integriert werden.
Phase 3: Das Projektfederationslager (der Status „SHARED“)
Hier fügt sich das Projekt wirklich zusammen. Nachdem die Prüfungen durch das Delivery Team abgeschlossen sind, werden die Daten aus den einzelnen Delivery-Team-iModels erneut fortgeschrieben und zu einem einzigen multidisziplinären, föderierten Projekt-iModel zusammengeführt.
Dieses Modell bildet das gesamte Projekt ab und integriert die Arbeit aller Auftragnehmer und Fachdisziplinen zu einem umfassenden Ganzen. Dies ist der kritische „SHARED“ Schritt im Sinne von ISO 19650. Hier werden fachübergreifende Prüfungen, Kollisionsprüfungen und Ausführbarkeitsanalysen auf Basis des vollständigen Projektdatenbestands durchgeführt. Die Prüfenden betrachten nicht länger nur ein isoliertes Puzzleteil, sondern sehen es an seinem richtigen Platz im Gesamtentwurf.
Der Summit: das iModel des Eigentümers (endgültige Übergabe)
Sobald alle Prüfungen im freigegebenen SHARED Modell abgeschlossen und alle Probleme behoben sind, beginnt der letzte Aufstieg. Das föderierte iModel des Projekts wird mit dem föderierten iModel des Eigentümers’zusammengeführt. Dies markiert den finalen Schritt im Prüfzyklus der Lieferkette und stellt dem Eigentümer den vollständigen, verifizierten Entwurf zur Abnahme bereit.

Der neue Maßstab für die Umsetzung
Diese datengestützte Methodik ist kein starrer, linearer Prozess, sondern ein dynamischer und iterativer Zyklus der Qualitätssicherung. Wenn eine Änderung erforderlich ist, wird sie an der Quelle vorgenommen. Die Planerin bzw. der Planer nimmt die Aktualisierung in der nativen CAD-Datei vor, und die verbesserten Daten durchlaufen anschließend nahtlos jede Phase der Zusammenstellung und Prüfung. So wird sichergestellt, dass das iModel des Eigentümers eine lebendige digitale Anlage ist, die jederzeit den aktuellsten und präzisesten Projektstand widerspiegelt.
Indem wir auf unseren bewährten, dateibasierten Grundlagen aufbauen und diesen datenzentrierten Ansatz verfolgen, schaffen wir eine maßgebliche zentrale Informationsquelle. Wir fördern ein stärker kollaboratives Umfeld und liefern letztlich nicht nur einen Satz Zeichnungen, sondern einen wertvollen, intelligenten digitalen Zwilling – ein Projektmodell, das dem Eigentümer über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg dient. Die Zukunft des Engineerings ist da und basiert auf einem Fundament aus Daten.

