KI, Klima und die Zukunft der Infrastruktur: So sehen Führungskräfte die Veränderungen für unsere zukünftigen Bauvorhaben durch KI, Daten und Klima
Von rumƤnischen NebenstraĆen über franzƶsische digitale Zwillinge bis hin zu agentischer KI erklƤren fünf FührungskrƤfte von Bentley, worauf es ankommt ā und wie intelligenterer Entwurf und Technologie den Ausschlag geben kƶnnen.
Angesichts zunehmender Klimarisiken, explosionsartig wachsender Datenmengen und des sich beschleunigenden globalen Wettlaufs um den Bau neuer, widerstandsfƤhigerer Infrastruktur geben Fachleute bei Bentley Systems neue Einblicke dazu, wie sich die Infrastrukturherausforderungen der Welt heute und in Zukunft bewƤltigen lassen.
Bentley Marketing Manager Oana Crisan hatte wƤhrend einer anstrengenden sechsstündigen Fahrt von ihrem Dorf in ZentralrumƤnien nach Bukarest viel Zeit zum Nachdenken. Die holprige Fahrt auf schmalen, jahrzehntealten StraĆen war nicht nur beschwerlich; sie machte auch die ernüchternde RealitƤt deutlich, dass RumƤnien die hƶchste Verkehrstotenrate in der EU verzeichnet.
Crisans Reise endete jedoch nicht dort.Sie bestieg ein Flugzeug nach London, wo Züge auf der modernen Elizabeth Line verkehren, und flog anschlieĆend weiter nach Philadelphia, wo sie über Highways zum Hauptsitz von Bentley reiste. Dabei gewann sie eine neue Perspektive auf die globale Infrastrukturkluft ā was sie dazu inspirierte, ein Manifest für eine bessere Infrastrukturplanung zu verfassen.
Crisan setzt sich heute für entwurfsorientierte Lösungen ein, die durch moderne Werkzeuge und Technologien wie digitale Zwillinge, künstliche Intelligenz (KI) und kollaborative Modellierungssoftware unterstützt werden.Diese Lösungen können langfristige Probleme vermeiden, indem sie umfassende Szenarioanalysen und die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten ermöglichen, bevor der Bau beginnt.
āWas Sie heute modellieren, bestimmt, was Sie morgen instand halten und betreiben werdenā, schreibt Crisan. āGute Infrastruktur spart Zeit, hervorragende Infrastruktur rettet Leben, und brillante Infrastruktur ā also die Art von Infrastruktur, die intelligent modelliert, kollaborativ geplant und proaktiv instand gehalten wird ā schafft Freiheit.ā
Die Erde unter unseren FüĆen: unser grƶĆtes Kapital und unsere grƶĆte Herausforderung
Nach einer Woche mit GesprƤchen mit Regierungsvertretern in Washington, D.C., hatte Dr. Thomas Krom von Seequent, dem auf Erd- und Untergrundmodellierung spezialisierten Unternehmen im Besitz von Bentley, eine ernüchternde Erkenntnis: āDer Boden unter unseren FüĆen ist zugleich unsere grƶĆte Ressource und unsere grƶĆte Verwundbarkeit.
Der Untergrund birgt kritische Ressourcen ā Grundwasserleiter, Lithiumvorkommen und Geothermiepotenzial ā, doch wir bewirtschaften ihn auf gefƤhrlich unzureichende Weise. Wasserknappheit bedroht Gemeinden weltweit, und bei kritischen Mineralien für Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien bestehen LieferengpƤsse. Unterdessen erinnern uns jüngste Erdbeben daran, dass wir den geologischen KrƤften, die wir nicht kontrollieren kƶnnen, weiterhin schutzlos ausgeliefert sind und uns darauf vorbereiten müssen, sagt Krom.
Diese globalen Herausforderungen schaffen politische Einigkeit. In den USA sind sowohl liberal als auch konservativ regierte Bundesstaaten von Dürren betroffen und kƤmpfen gegen Ćberschwemmungen ā und sie erkennen, dass ein besseres Ressourcenmanagement eine gemeinsame Grundlage bietet. Selbst die FinanzmƤrkte spiegeln diese RealitƤt wider: Gold erreichte vor Kurzem ein Rekordhoch, da Anleger eher greifbare Vermƶgenswerte als rein finanzielle Instrumente suchen. Der Untergrund ist tatsƤchlich die ultimative gemeinsame Ressource, die alle Grenzen überschreitet.
āDie Erde selbst ist unparteiischā, schreibt Krom. āUnd zunehmend gilt das auch für die AnsƤtze zum Management ihrer Ressourcen und Risiken.ā
Die USA fallen im globalen Infrastrukturwettlauf zurück ā gelingt ihnen ein Comeback?
In diesem Frühjahr erhielten die USA von der American Society of Civil Engineers (ASCE) ihre bisher beste Bewertung für die Infrastruktur: C. Die Bewertung sollte laut Rory Linehan, Director for Infrastructure Policy Advancement bei Bentley, als Weckruf dienen.
Das bundesweite Infrastructure Investment and Jobs Act lƤuft 2026 aus, was laut Linehan einen Wendepunkt schaffen wird, an dem die USA ihre Führungsrolle in der Infrastruktur durch eine Kombination aus koordinierter Finanzierung, investitionsgestütztem Kompetenzaufbau zur SchlieĆung der IngenieurskapazitƤtslücke, modernisierten Genehmigungs- und Regulierungsprozessen sowie einem verstƤrkten Fokus auf Resilienz zurückgewinnen kƶnnen. Wichtig ist seiner Aussage nach, dass die USA den Einsatz digitaler Zwillinge, von Echtzeitsensoren, KI-gestützter Instandhaltungsplanung und anderer innovativer Technologien skalieren müssen.
āDie USA verfügen über die Ressourcen, den Einfallsreichtum und die Dynamik, um weltweit wieder eine führende Rolle in der Infrastruktur einzunehmenā, schreibt Linehan. āAber dazu braucht es mehr als nur Optimismus. ā Dies wird koordinierte, innovative und nachhaltige MaĆnahmen erfordern.ā

Infrastruktur im Zeitalter agentischer Systeme: Wie KI und offene Daten die gebaute Umwelt prƤgen
Die Infrastrukturbranche tritt in die āagentische Ćraā der KI ein, in der intelligente Systeme nicht mehr nur Daten analysieren, sondern MaĆnahmen ergreifen, schrieb Bentley Vice President of Ecosystem and Ventures Tom Kurke in einem Thought-Leadership-Beitrag für AEC Magazine.
Stellen Sie sich vor, wie KI-Agenten digitale Zwillinge von Brücken, StraĆen und Wassernetzen überwachen, Probleme automatisch erkennen und vorbeugende WartungsmaĆnahmen empfehlen, bevor es zu kostspieligen AusfƤllen kommt. Das ist keine Science-Fiction, sagt er. Dies ist der nƤchste logische Schritt, da die Branche mit steigenden Projektanforderungen und einem Mangel an qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren konfrontiert ist.
Kurke bezeichnet offene Ćkosysteme als den entscheidenden Wegbereiter. āOffene Daten fƶrdern den Zugang zu wertvollen Informationen, bauen Barrieren ab und ermƶglichen einen nahtlosen Datenaustausch über Plattformen, Systeme, Disziplinen, Organisationen und unter Kollegen hinwegā, schreibt er.
Da der Geodatenmarkt bis 2030 voraussichtlich ein Volumen von 1,4 Billionen USD erreichen wird, schaffen offene Standards und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen wie Bentley, Cesium und Google beispiellose Möglichkeiten für Innovationen in der Infrastruktur.
Kurke fasst zusammen: āDieses transformative Kapitel wird Systeme hervorbringen, die digitale Zwillinge von Infrastrukturanlagen ā Brücken, StraĆen, DƤmmen oder Wassernetzen ā analysieren kƶnnen, um Probleme zu erkennen und PrƤventivmaĆnahmen zu empfehlen, sodass kostspielige AusfƤlle oder Sicherheitsrisiken vermieden werden.ā
Im 19. Jahrhundert erklƤrte der Dichter Alphonse de Lamartine Pau in Frankreich zu dem Ort mit der āschƶnsten Aussicht der Erdeā, wƤhrend sich die schneebedeckten PyrenƤen über den Horizont erstrecken. Heute sorgen digitale Zwillinge dafür, dass Einwohner verantwortungsvolle Entwicklung mit āOui!ā begrüĆen.
Als Stadtverantwortliche die Genehmigung für ein bedeutendes Skyline-Projekt einholen wollten, verzichteten sie auf 100-seitige Berichte und statische Zeichnungen. Stattdessen nutzten sie einen umfassenden digitalen Zwilling der Stadt, um den Bewohnern zu ermƶglichen, die Entwicklungen zu erkunden, mit ihnen zu interagieren und genau zu sehen, wie sie sich in die Umgebung einfügen ā ohne die charakteristische Skyline von Pau zu beeintrƤchtigen.
Die Technologie trug dazu bei, den Boulevard dāAragon in eine grüne Oase zu verwandeln, den Markt Les Halles zu modernisieren und das vernachlƤssigte Viertel Le Foirail neu zu beleben. Der digitale Zwilling von Pau wurde mit dem renommierten Foundersā Honors Prize bei Bentleys Year in Infrastructure und Going Digital Awards 2024 in Vancouver ausgezeichnet.
āPaus Geschichte zeigt, was mƶglich ist, und macht den Mehrwert digitaler Zwillinge für StƤdte jeder GrƶĆe deutlichā, schreibt Dorothea Manou, Solution Manager for cities and urban infrastructure bei Bentley. āEs ist ein Vorbild für andere.ā Pau hat bewiesen, dass man keine Megastadt sein muss, um eine Smart City zu sein, die mithilfe von Technologie die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt stellt.ā


